Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Schießstand, visieren Ihr Ziel an, betätigen den Abzug – und anstatt des erwarteten Knalls kommt nur ein trockenes Klick. Fehlfunktionen sind der Albtraum aller frischgebackenen Waffenbesitzer. Und ihr Auftreten oftmals der erste Augenblick, in dem Sie sich (zwangsläufig) damit auseinandersetzen. Vorausgesetzt, Sie erkennen die Störung.
Fehlfunktionen am Schießstand sind kein Grund zur Panik, denn die gängigsten (und meisten) lassen sich supereinfach erkennen, beheben und vermeiden. Der Nachteil: Nicht jede Störung kann (oder will) simuliert werden. Sie können nur in jenen Augenblicken von ihnen lernen, in denen sie passieren. Und genau dann sollten Sie besonders besonnen reagieren – um sich diese Chance auf Lernen nicht selbst zu nehmen und niemanden zu gefährden.

Der Umgang mit Fehlfunktionen
Verhaltensregeln & Sicherheit
Die häufigsten Fehlfunktionen
Ursachen verschiedener Störungen
Störungen erkennen
Fehlfunktionen interpretieren
Störungen beheben
Fehlfunktionen vermeiden
Verhaltensregeln bei Fehlfunktionen
Sicherheitsregeln einhalten!
Egal, um welche Art von Fehlfunktion es sich handelt: Der ausnahmslos erste Schritt ist die konsequente Einhaltung aller Sicherheitsregeln im Umgang mit der Schusswaffe. Je nach Störung könnte ein Schuss nämlich auch verspätet losgehen. Halten Sie diese Sicherheitsregeln ein, landet er auch dort, wo er landen darf und niemand wird gefährdet. Verharren Sie in dieser Position für wenigstens 30 Sekunden.
Waffe ablegen – NUR bei extremer Unsicherheit:
Wenn Sie sich anfangs mit Fehlfunktionen überfordert fühlen, legen Sie nach diesen 30 Sekunden die Waffe ab, wie sie ist. Dies sollten Sie aber ausdrücklich nur tun, wenn Sie wirklich nicht wissen, wie Sie die Störung beheben. Auch das Ablegen ist keine ausdrückliche Empfehlung, sondern lediglich eine Notlösung.
Informieren Sie einen Schützennachbarn oder die Standaufsicht. Lassen Sie die Waffe auf Ihrem Schießstand liegen, wenn Sie Hilfe suchen und laufen Sie niemals mit der geladenen Waffe durch den Raum, insbes. nicht hinter anderen Schützen vorbei; oder kreuz und quer durch die ganze Schießanlage.
Lernbereitschaft auch unter Stress
Lassen Sie sich diese Störung an Ihrer Waffe gleich erklären. Ein souveränes Störungsmanagement gehört zu einem sachgemäßen Umgang mit der Schusswaffe, den Sie womöglich mit Ihrem Waffenführerschein bereits Ihrer Waffenbehörde nachgewiesen haben, dazu. Damit Sie Fehlfunktionen selbst meistern lernen, können Sie bei mir gerne ein eigenes Fehlfunktions-Training buchen. Im Zuge dessen simulieren wir ausgewählte Störungen und Sie lernen, diese zu erkennen, zu interpretieren, zu beheben und zu vermeiden.
Zeit lassen, nachdenken, Fehlfunktion verstehen
Denken Sie über die aufgetretene Störung nach. Hersteller von Munition empfehlen ausdrücklich, mind. 30 Sekunden lang mit langem Abzugsfinger und dem Lauf in die sichere Richtung zu verharren, da der Schuss evtl. verspätet brechen könnte. Einige empfehlen sogar länger. Nutzen Sie diese Zeit, um die aufgetretene Störung verstehen zu lernen:
- Die Kernfrage: Ist der Schuss gebrochen?
- Nein: GEFAHR! Er könnte noch brechen. Lauf in die sichere Richtung – abwarten.
- Ja: Hat der Schuss sich eigenartig angehört?
- Ja: GEFAHR! Das Geschoss könnte im Lauf feststecken – Feuer sofort einstellen!
- Nein: Wenn keine andere Störung besteht, können Sie weiterschießen.
- Steht der Schlitten der Waffe ein Stück weit offen?
- Nein: Waffe hat sich vermutlich ordnungsgemäß nachgeladen und ist wie üblich schussbereit, technisch ist eine Schussabgabe möglich.
- Ja: Ragt eine Patrone oder Patronenhülse aus dem Schlitten?
- Nein: Vermutlich sind Patronen im inneren der Waffe verklemmt. Entfernen Sie langsam das Magazin (falls vorhanden) und arretieren Sie den Schlitten in rückwärtiger Position.
- Ja: Selbe Vorgehensweise. Entfernen Sie das Magazin (falls vorhanden) und arretieren Sie den Schlitten in rückwärtiger Position.
Bitte bedenken Sie, dass diese Liste nicht alle Fehlfunktionen beinhaltet, sondern lediglich die häufigsten, die am Schießstand auftreten. Führen Sie einen Kontrollblick durch, ob das Patronenlager leer ist. Erst wenn ja, legen Sie die Waffe mit offenem Schlitten ab.
Den Zustand der Waffe überprüfen
Wenn Sie bereits ein wenig Schießpraxis gesammelt haben, wissen Sie, was bei einer halbautomatischen Schusswaffe nach dem letzten Schuss passiert. Der Schlitten bleibt offen, Sie entfernen das Magazin und machen einen Kontrollblick ins Patronenlager, um sich vom Zustand der Waffe zu überzeugen. Dann legen Sie sie ab.
Die Behebung einer Fehlfunktion läuft fast identisch ab. Nur, dass Sie nach dem Erkennen der Störung und dem Nachdenken zuerst das Magazin entfernen (damit die Waffe sich nicht während des Behebungsversuchs nachlädt). Erst danach öffnen Sie bei Pistolen und halbautomatischen Gewehren manuell den Schlitten und arretieren ihn offen. Um diesen Zustand zu erreichen, müssen Sie gleichzeitig den Schlitten nach hinten ziehen und den Verschlussfanghebel, sofern vorhanden, nach oben drücken. In den meisten Fällen ist damit die Störung behoben. Sie können wie gewohnt Ihren Kontrollblick durchführen und den Zustand der Waffe überprüfen.
Hartnäckigere Störungen beheben
Es gibt nun zwei Möglichkeiten:
Entweder zeigt die Waffe weder innen noch außen weitere Auffälligkeiten oder die Waffe zeigt immer noch, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Etwa durch ausgebrochene Teile, Blockaden bei der Bedienung der Hebel und Knöpfchen, Schrägstellungen, sichtbare Hülsen oder Patronenteile, an Stellen, an denen sie nicht sichtbar sein sollten, etc.
Bei kleineren Fehlfunktionen mit eingeklemmten Patronenteilen fällt während des Schlitten-Öffnens das Problem (Hülse oder Patrone) meist aus der Waffe heraus und Sie können sie nach der Kontrolle sicher ablegen. Solange Sie die Waffe in Ihren Händen halten, ist die Waffe Priorität Nummer eins. Nicht die herausfallende Hülse oder Patrone. Zuerst wird die Waffe auf Sicherheit überprüft und abgelegt, danach sich um die Hülse/Patrone gekümmert.
Funktionieren alle Bedienelemente und es ist kein „Fremdkörper“ mehr in der Waffe, können Sie das Schießtraining fortsetzen.
Befindet sich ein Fremdkörper in der Waffe, ist dieser zuerst zu beseitigen. Wenn der Fremdkörper nicht von selbst herausfällt, nehmen Sie ihn, wenn der Schlitten arretiert ist, per Hand heraus. Wenn auch das nicht ohne übermäßige Gewalt klappt, ist die Waffe ein Fall für einen Fachmann.
Was tun, wenn die Störung nicht behebbar ist?
Etwas anders verhält es sich, wenn ein Fremdkörper feststeckt, sodass Sie ihn nicht mehr gewaltfrei aus der Waffe bekommen. Das könnte etwa ein abgefeuertes, aber im Lauf steckengebliebenes Geschoss sein oder auch der Hülsenkorpus. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn solche Fehlfunktionen übersieht man am leichtesten. Bei einem Laufstecker lädt sich ein Halbautomat nach, weswegen von außen (je nach Waffenkonstruktion) oft keine Störung zu sehen ist. Sie können bei Laufsteckern in einer Pistole technisch gesehen den nächsten Schuss abfeuern, während das Geschoss des vorigen Schusses im Lauf steckt. Stellen Sie das Schießen bei Verdacht auf einen solchen Squib Load oder andere festsitzende Fremdkörper in der Waffe unverzüglich ein. Bringen Sie die Waffe zu einem Büchsenmacher, wenn Sie den Fremdkörper nicht ohne übermäßige Gewalt entfernen können.
Die häufigsten Fehlfunktionen am Schießstand & ihre Ursachen
Ladehemmungen (Failure to Feed)
Ich persönlich beobachte am Schießstand am häufigsten Zufuhr- und Auswurfstörungen bei Halbautomaten, ugs. auch gerne als Ladehemmungen bezeichnet. Sie treten überwiegend bei leichtgewichtigen Pistolen auf, wenn der Schütze beim Schießen einen zu lockeren Griff hat, etwa aus Kräftemangel oder Unsicherheit.
Bei Kleinkaliberpistolen ist häufiger die Munition schuld. Oft reicht die Energie, die bei der Schussabgabe produziert wird, nicht aus, um den Schlitten bis zum Anschlag nach hinten und wieder nach vorne zu schieben. Dabei verkanten Hülsen gerne, sowohl beim Auswerfen der leeren Hülse, als auch beim Nachladen der nächsten Patrone aus dem Magazin. Oder sie werden gar nicht erst zugeführt. In Extremfällen treten Ladehemmungen bei jedem 2. Schuss auf, jedoch sehr spezifisch bei Halbautomaten. Repetierer, die manuell nachgeladen werden müssen, sind davon nicht in dieser Form betroffen. Man kann aber eine Zufuhrstörung durch Unachtsamkeit beim manuellen Nachladen selbst herbeiführen.
Zündversager (Failure to Fire)
Die zweithäufigste Fehlfunktion ist der Zündversager. Eine Zündung versagt, wenn Sie den Abzug betätigen und anstatt eines „Peng!“ nur ein „Klick“ zu hören ist. In diesem Fall hat der Zündsatz nicht umgesetzt (nicht entzündet); dadurch kann auch die Treibladung in der Patrone nicht abbrennen. Es gibt keine Wärmeentwicklung, keinen Gasdruck und in letzter Konsequenz wird kein Geschoss abgefeuert.
Die Herausforderung besteht darin, zu erkennen, ob es sich tatsächlich um einen Zündversager handelt. Ist die Waffe nicht geladen, aber gespannt, können Sie den Abzug betätigen und hören ebenfalls nur ein „Klick“. Auch dabei setzt kein Zündsatz um. Zündversager hören sich identisch an; nur, dass eben ein Schuss hätte brechen sollen und noch verspätet nachkommen könnte.
Visuelle Überprüfung
Bei einigen Waffenmodellen können Sie von außen eruieren, ob sich eine Patrone im Patronenlager befindet. Je nach Modell anhand der Ausziehkralle, teils mit farblicher Markierung. Oder durch einen kleinen Schlitz an der Oberseite des Schlittens.
Von außen ist jedoch nicht erkennbar, ob eine im Lager liegende Patrone auch angeschlagen wurde und zünden hätte sollen. Auch dies rate ich Ihnen, während der 30 Sekunden Wartezeit am Schießstand zu bedenken. Sie stellen damit fest, ob Ihre Waffe geladen ist (der Schuss noch brechen kann) oder nicht.
Ursachen von Zündversagern sind oft munitionsseitig zu finden. Die häufigste Ursache sind Fehler beim Wiederladen oder bei der Lagerung der Munition. Lagern Sie Patronen zu feucht, kann das Pulver Feuchtigkeit aufnehmen, wenn die Geschosse die Hülse nicht absolut abdichten. Dadurch verändert sich die chemische Zusammensetzung durch die hinzugekommenen Moleküle in der Feuchtigkeit. Infolgedessen entspricht das Brandverhalten des Pulvers nicht mehr den Herstellervorgaben: Es brennt langsamer und schlechter als vorgesehen. Oder gar nicht.
Setzt der Zündsatz im Patronenboden um und das Pulver brennt zu langsam oder gar nicht, handelt es sich nicht um einen Zündversager. Der Zündsatz hat immerhin umgesetzt. Die Folge ist mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Laufstecker, da das Pulver nicht oder zu schwach brennt. Und weil der notwendige Gasdruck nicht aufgebaut werden kann, um das Geschoss aus dem Lauf hinauszubewegen.
Laufstecker (Squib Load)
Beim Laufstecker wird bei der Schussabgabe ein Gasdruck aufgebaut, der noch reicht, um das Geschoss von der Patronenhülse zu trennen. Ausreichend Schubkraft, um es aus dem Lauf hinauszutreiben, ist nicht mehr vorhanden, da das durch Feuchtigkeit abgeschwächte Brandverhalten den Gasdruck schwächt. Die Reibung zwischen Geschoss und Lauf ist so stark, dass das Geschoss dadurch stärker abgebremst wird, als es durch den Gasdruck beschleunigen kann. Also bleibt es stecken.
Die Gefahr: Nicht bei jeder Waffe ist so ein Laufstecker auch sichtbar. Nur, wenn der Lauf selbst sichtbar ist und er sich durch den Gasdruck aufbläht, ist ein Squib Load zu sehen. Schießen Sie mit einer Pistole mit einem im Schlitten versteckten Lauf (zB Glock), sehen Sie eine Aufbauchung nicht. Da der Schuss aber abgegeben und die Energie der Ladung zumindest teilweise freigesetzt wurde, kann der Nachlademechanismus trotzdem funktionieren. Der Halbautomat lädt sich also nach und ist wieder schussbereit.
Nun können bei darauffolgender Schussabgabe, die ja technisch möglich ist, zwei Szenarien eintreten:
- Entweder feuern Sie das nächste Geschoss auf das steckengebliebene und manövrieren admit das vormals feststeckende aus dem Lauf oder
- die Waffe hält durch den verstopften Lauf dem Gasdruck (der eigentlich nach vorne hin entweichen sollte) nicht stand.
Achtung, Verletzungsgefahr!
Im zweiten Fall nimmt der Gasdruck, der wegen des feststeckenden Geschosses eben nicht nach vorne entweichen kann, den Weg des geringsten Widerstands. Er schiebt stattdessen nach hinten und trifft auf Waffenteile, die nicht dafür konzipiert sind, diesem Druck standzuhalten. Teile brechen, die Waffe kann zerstört werden und das Risiko von ernsthaften Verletzungen im Gesichts- und Oberkörperbereich sowie an den Händen ist hoch. Doch warum kann man eine derart gefährliche Fehlfunktion nur durch genaues Hinhören erkennen?
Die Lehre der Akustik
Der Schussknall, den Sie hören, besteht in Wahrheit aus mehreren Knällen (zB der Anzündknall des Zündhütchens, Mündungsknall und weitere). Sie alle folgen in derart kurzer Zeit aufeinander, dass Sie sie nur als einen einzigen Knall wahrnehmen.
Der Gasdruck in Ihrer Waffe wird immer stärker, indem sich die Treibladungsmoleküle in der Waffe (hinter dem hinauszutreibenden Geschoss) immer schneller auf engstem Raum bewegen. Die Luftmoleküle außerhalb der Waffe, direkt vor der Laufmündung, sind hingegen vergleichsweise statisch. Der Mündungsknall entsteht, wenn die schnellen Treibladungsmoleküle auf die langsamen Luftmoleküle vor der Laufmündung treffen. Also unmittelbar nach dem Abgang des Geschosses. Wenn nun aber das Geschoss im Lauf stecken bleibt, erreichen die extrem schnellen Treibladungsmoleküle die Laufmündung nicht. Es entsteht kein Mündungsknall, weil Treibladungsmoleküle und Luftmoleküle nicht aufeinandertreffen. Das Fehlen dieses Mündungsknalls macht den „Gesamt-Schussknall“ leiser.
Umgang mit Fehlfunktionen an Waffe & Munition
Eine Fehlfunktion erkennen
Fehlfunktionen erkennen Sie vor allem dann besonders gut, wenn Sie am Schießstand langsam arbeiten und Ihre Waffe beim Hantieren genau beobachten. Speziell dann, wenn Sie gerade am Beginn Ihrer Sportschützenkarriere stehen. Machen Sie anfangs nach jedem Schuss Ihren Abzugsfinger lang und nehmen Sie sich die Zeit, die Waffe zu beobachten. Achten Sie darauf, ob der Schuss tatsächlich ausgelöst wird und danach, ob der Schlitten wieder komplett geschlossen, die Waffe neu gespannt und vollständig nachgeladen ist. Oder ob stattdessen irgendwelche Auffälligkeiten auftreten. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, Ihre Waffe auf solche Aspekte hin zu untersuchen, erkennen Sie Störungen eher, wenn sie tatsächlich passieren.
Akustische Auffälligkeiten
Akustische Auffälligkeiten wären etwa das bereits erwähnte „Klick“ statt „Peng!“. In diesem Fall ist die Waffe beim Betätigen des Abzugs entweder nicht geladen gewesen, es wurde nochmals auf eine bereits leergefeuerte Patronenhülse „gefeuert“ oder es handelt sich um einen Zündversager. Auch bei einem Laufstecker verlassen Sie sich am besten auf Ihre Ohren: Klingt ein Schuss leiser als üblich, könnte ein Geschoss im Lauf feststecken.
Visuelle Auffälligkeiten
Visuelle Auffälligkeiten sind jene, die sich mit dem Auge erkennen lassen, wären Zufuhr- und Auswurfstörungen, das sind klassische Ladehemmungen. Entweder verklemmt eine Hülse während des Auswurfs im Verschluss und zeigt nach außen (Stove Pipe) oder beim Nachladevorgang eines Halbautomaten wird keine neue Patrone aus dem Magazin nachgezogen und das Patronenlager bleibt leer (siehe wiederum: „Klick“ statt „Peng!“). Ebenfalls erkennbar, weil der Schlitten offen stehen bleibt, ist der Double Feed. Bei diesem versucht eine Patrone aus dem Magazin ins Patronenlager zu gelangen, obwohl dort bereits eine scharfe Patrone zugeführt wurde. Ein Doublefeed kann im Schießtraining simuliert werden und auch bei Repetierern auftreten, wenn der Schütze unaufmerksam ist und einfach nochmal nachlädt.
Haptische Auffälligkeiten
Manchmal kann auch ein Laufstecker visuell erkennbar sein; jedoch nur, wenn der Lauf sich aufbläht und frei einsehbar ist, das Geschoss sehr weit hinten im Lauf steckt oder die Waffe ohnehin bereits begonnen hat, sich durch den Gasdruck zu zerlegen (gebrochene oder gebogene Teile), wobei das eher schon eine haptische Auffälligkeit wäre. Unter diese Kategorie fällt auch ein „hängengebliebener“ oder blockierender Abzug. Sie geben einen Schuss ab, lassen den Abzug aus, der fährt jedoch nicht vollständig in seine gespannte Position zurück. Wenn Sie erneut abdrücken, passiert entweder gar nichts, außer dass Sie leer nach hinten ziehen (kein Klick, kein Peng) oder der Abzug ist vollständig manövrierunfähig. Da der Abzug meist vor dem Griffstück liegt, ist eine Fehlstellung von hinten oft nicht zu erkennen. Erst, wenn die Finger sagen „hier ist etwas eigenartig“, wirft das Auge einen Blick darauf.
Der einzige Weg, sich die Erkennung von Fehlfunktionen substanziell anzulernen, ist das langsame Hantieren mit der Waffe und das stete Beobachten, ob sich nach dem Schuss etwas auffällig untypisch verändert hat. In einem DMS-Fehlfunktionstraining merken Sie, dass der praktische Umgang in Wirklichkeit viel einfacher ist, als Sie derzeit wahrscheinlich vermuten. Stellen Sie sich Ihren Sorgen im Umgang mit Störungen und ich verspreche Ihnen, Ihr Bauchweh wird schon in der 1. Stunde nachlassen. 🙂
Fehlfunktionen richtig interpretieren
Tritt eine Störung auf, warten Sie gemäß den Munitionsherstellervorgaben die Zeitspanne ab. Nutzen Sie diese Zeit zur Analyse: Ist der Schuss gebrochen, ja oder nein? Kommt er möglicherweise verspätet nach, wäre das technisch möglich (Zündversager vs. leeres Patronenlager vs. leere Hülse)? Oder hat sich die Waffe vielleicht gar nicht nachgeladen? Könnten Sie aus technischer Sicht den nächsten Schuss abfeuern (Vorsicht bei Squib Load und Hülsenabriss)? Oder ist vielleicht eindeutig erkennbar, dass der Verschluss geöffnet ist, Patronen verkanten oder klemmen?
Anhand solcher Fragestellungen eruieren Sie, ob von Ihrer Waffe derzeit noch eine Gefahr ausgeht oder ob die Fehlfunktion weniger risikobehaftet ist.
Gefährliche & etwas ungefährlichere Fehlfunktionen
Alle Störungen, bei denen sich die Waffe ordnungsgemäß nachlädt und/oder der Schuss, wenngleich verspätet, noch brechen oder selbst abgegeben werden kann, sind gefährlich. Entweder löst sich ein Schuss, der bei Mängeln in der Handhabungssicherheit die Schießanlage beschädigt oder eine andere Person verletzt, die Waffe zerlegt sich oder sie ist als letzte Konsequenz zumindest unbrauchbar.
Behebbare & nicht behebbare Störungen
Die meisten Fehlfunktionen lassen sich sehr einfach beheben. Wichtig ist jedoch: Eine Störungsbeseitigung sollte jedenfalls ohne übertriebene Gewalt erfolgen. Ist das nicht möglich, muss die Waffe zum Fachmann (Büchsenmacher oder Waffenhändler mit eigener Werkstätte). Verklemmte Hülsen und Patronen sowie weitere Ladehemmungen und Zündversager stellen in der Regel keine große Herausforderung dar. Laufstecker oder Hülsenabrisse hingegen, bei denen Munitionsteile noch im Lauf stecken, sind allein am Schießstand und ohne Werkzeug oft nicht zu reparieren.
Eine Störung an der Waffe beheben
Wie eingangs erwähnt, ist bei der Behebung von Fehlfunktionen Sicherheit oberstes Gebot. Bevor Sie an der Waffe irgendein Knöpfchen oder Hebelchen betätigen, gehen Sie der Störung auf den Grund. Sind Sie sicher, dass kein Schuss mehr losgeht, nehmen Sie zuerst das Magazin aus der halbautomatischen Waffe bzw. entfernen die Patronen manuell bei Repetierern. Dies dient der Vermeidung des Nachladens, während Sie die Störung beheben möchten. Ist das Magazin bzw. sind die Patronen entfernt, arretieren Sie den Schlitten in der offenen Position, kontrollieren Sie das Patronenlager und falls vorhanden den Magazinschacht. So wie Sie es vom üblichen Schießprozedere nach dem Leerfeuern gewohnt sind. Haben Sie sich überzeugt, dass die Waffe leer ist, können Sie sie offen ablegen und sich um die Munition kümmern.
Bei der Munition überprüfen Sie, ob die Patrone noch intakt ist und ob das Zündhütchen angeschlagen ist. Normalerweise können Sie angeschlagene Patronen ein weiteres Mal in die Waffe laden. Beim zweiten Versuch setzt der Zündsatz üblicherweise um, sofern es sich um keine irreparable Ursache oder einen Produktionsfehler ohne Treibladung handelt. Sind Patrone oder Geschoss verformt oder haben Kratzer oder Grate, rate ich davon ab, die Patrone erneut zu verwenden. Deformierungen am Geschoss(mantel) können je nach Material die Laufinnenwand auf eine Art beanspruchen, die vom Waffenhersteller nicht vorgesehen ist und die Laufinnenseite dadurch beschädigen. Außerdem verändert sich durch die Deformierung die Aerodynamik des Geschosses im Flug. Im schlimmsten Fall kommt Ihr Geschoss gar nicht auf der Zielscheibe an. Und alles, was nicht die Zielscheibe trifft, trifft letztendlich irgendetwas anderes.
Weitere Störungen vermeiden
Damit solche Störungen nicht andauernd vorkommen, ist es unerlässlich, die Ursache der Störung zu kennen. Bei Kleinkaliberpistolen lassen sich Zufuhr- und Auswurfstörungen durch einen Wechsel der Munition (High Velocity bei Halbautomaten) meist beheben. Tauchen diese Probleme bei größerkalibrigen Waffen auf, die wenig Eigengewicht haben, helfen ein festerer Griff oder ein Beschweren der Waffe (indem zB ein Magazin vollgefüllt wird).
Laufstecker treten häufig bei falscher Lagerung der Munition auf. Halten Sie die Luftfeuchtigkeit konstant auf relativen 40 – 55 %, um Waffen und Munition möglichst materialschonend zu lagern. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit kann die Treibladung Feuchtigkeit ansetzen und ihr Brandverhalten ändert sich. Der niedrigere Gasdruck erhöht das Risiko eines Squib Loads.
Zündversager sind oft auf mangelnde Reinigung zurückzuführen, können aber auch produktionsbedingt sein. Etwa, wenn das Material des Zündhütchens für eine bestimmte Waffe zu fest ist und der Schlagbolzen beim Aufschlagen den Zündsatz nicht ausreichend eindrückt. Eine verdreckte Waffe kann wiederum den Schlagbolzen beim Nach-vorne-Fahren abbremsen, wodurch ebenfalls der Zündsatz nicht ausreichend komprimiert wird.
FAQ zu den Fehlfunktionen
Nein.
Nicht, wenn die erforderlichen Prozesse für den Schuss bereits in Gang gesetzt sind.
Aktivieren Sie eine Sicherung an der Waffe und betätigen erst danach den Abzug, verhindert die Sicherung idealerweise diese Schussabgabe.
Wenn Sie aber bei einer geladenen Waffe den Abzug betätigen, es zu einem Zündversager kommt und Sie erst danach die Sicherung aktivieren, hat der Schlagbolzen den Zündsatz bereits komprimiert. Dieser kann entzünden, obwohl Sie zwischenzeitlich die Sicherung aktiviert haben. Da die blockierenden Teile einer Sicherung aber eigentlich einen Schuss verhindern sollen, sind diese oft nicht darauf ausgelegt, einem Schuss standzuhalten. Eine Zerstörung der Waffe ist wahrscheinlich.
Grundlegend: alle, bei denen erhöhte Verletzungsgefahr und die Gefahr einer ungewollten Schussabgabe bestehen.
Wenn Sie einen Laufstecker nicht realisieren und den nächsten Schuss abgeben, kann der Gasdruck nach hinten schieben und die Waffe etwa im Griffbereich und darüber, direkt auf der Höhe Ihres Kopfes, zerstören. Auch eine Schussabgabe bei nicht ganz verriegeltem Verschluss ist problematisch, da der Gasdruck durch die Öffnung entweicht. Riskant ist dies auch bei manuell nachzuladenden Repetierern mit spitzen Patronen:
Beispielszenario anhand einer wahren Begebenheit:
Sie wollen eine Repetierbüchse laden und erkennen, dass mit einer scharfen Patrone etwas nicht stimmt. Also möchten Sie diese aus der Waffe repetieren, übersehen aber, dass diese nicht herausgezogen wird und laden die nächste Patrone hinterher. Dann spüren Sie einen Widerstand und bemerken nicht, dass es zu einer Art Double Feed kommt. Anstatt nochmal nachzusehen, was los ist, versuchen Sie die neue Patrone nun mit Kraft ins Patronenlager zu manövrieren.
Die Folge:
Zwei Patronen verhindern die Verriegelung des Verschlusses, er bleibt offen. Gleichzeitig drückt das spitze Geschoss der 2. Patrone auf das Zündhütchen der 1. Patrone im Lager und der Schlagbolzen presst auf das Zündhütchen der 2. Patrone dahinter. Beide Drücke reichen aus, um die Patronen zeitgleich abzufeuern. Der Gasdruck entweicht durch den offenen Verschluss zur Seite, nach oben und nach hinten. Gleichzeitig zerlegen sich die Patronen: Das Geschoss der 1. Patrone geht zumindest in den Lauf hinein, mit Glück wieder hinaus. Gleichzeitig verabschiedet sich das Zündhütchen der 1. Patrone im Lager und wird selbst zu einem Geschoss; nach hinten, zur Seite oder nach oben. Das Geschoss der 2. Patrone beschädigt höchstwahrscheinlich die Waffe oder entweicht ebenfalls zur Seite oder nach oben, was zu einer völlig unkontrollierten Flugbahn führt. Das Zündhütchen der 2. Hülse trennt sich ebenfalls von dieser und wird zum Geschoss.
Das Treibmittel wiederum verbrennt bei der Schussabgabe nicht vollständig, es bleiben Reste in Form von (heißem) Schmauch übrig, der sich nun – wegen des offenen Verschlusses – eben in der Umgebung verteilt und zu Verbrennungen führen kann.






