Allgemeiner Blog zu Waffenbesitz, Schießsport & Co.

Waffenkauf: So finden Sie die richtige Kurzwaffe

In Österreich ist die Waffenbesitzkarte für genehmigungspflichtige Schusswaffen schnell beantragt. Groß ist die Euphorie, wenn das blaue Kärtchen endlich im Briefkasten landet; und noch größer der Drang zum ersten Waffenkauf. Ein Ratschlag: Vermeiden Sie Enttäuschungen durch überstürzte Blindkäufe. Testen Sie vorher, was immer Sie testen können – und lassen Sie sich umfangreich beraten.

Worauf Sie beim Waffenkauf achten sollten

Diesmal:

  1. Allgemeine Infos zum Waffenkauf
  2. Auswahl der Kurzwaffe nach Einsatzbereich
  3. Das Gewicht der Waffe & sein Einfluss auf den Rückstoß
  4. Ergonomie & Passform der Waffe
  5. Wie Munition & Kaliber den Waffenkauf beeinflussen
  6. Reinigung & Waffenpflege

Allgemeine Infos zum Waffenkauf

Die vermutlich erste Information, die Sie im Beratungsgespräch bekommen, ist: „Die Waffe muss zu Ihnen passen“. Oder: „Sie müssen mit Ihrer Waffe umgehen können“. Das bedeutet im Klartext, dass Sie in der Lage sein müssen, Ihre Waffe aufgrund ihrer baulich-technischen Besonderheiten nicht nur am Schießstand treffsicher, sondern auch zu Hause sachgemäß zu bedienen. Etwa bei der Reinigung. Und um sich Ihre neue Waffe zum Freund zu machen, braucht es weit mehr als Zufallstreffer, Glück und Versuche. Ihre individuellen körperlichen Befindlichkeiten sind nur einer der maßgeblichen Faktoren, denn Schießen ist Physik pur. Wenn Sie das bereits beim Waffenkauf berücksichtigen, währt die Freude am Schießen lang.

Auswahl der Kurzwaffe nach Einsatzbereich

Dienst- & Gebrauchswaffen

Jeder Hersteller baut seine Waffe für konkret vorgesehene Einsatzbereiche. Diese Einsatzbereiche stellen unterschiedliche Ansprüche an die Waffe. Dienst- und Gebrauchswaffen müssen nicht ästhetisch schön oder besonders präzise sein, denn Präzision ist auch mit einer guten Schießtechnik zu erreichen. Aber sie muss absolut zuverlässig und darf keinesfalls störungsanfällig sein.

Diese Robustheit gegenüber Störungen ist vor allem durch möglichst wenige Kleinteile in der Waffe zu erreichen. Wenige Kleinteile bedeuten automatisch weniger Raum, in dem sich Schmauch ansammeln kann. Das wiederum macht die Waffe besonders pflegeleicht. Glockpistolen können durchaus Jahre ohne Reinigung auskommen und schießen auch dann noch zuverlässig und störungsfrei auf ihre Einsatzdistanzen. Grundsätzlich sollten Sie die Funktionalität Ihrer Waffe aber schon mit regelmäßiger Reinigung und Pflege fördern. Dennoch: Wenn Sie die Waffe selbst nicht beherrschen, bringt Ihnen auch die sauberste Pistole nichts.

Eine weitere Gemeinsamkeit von Dienstwaffen, die die treffsichere Handhabung ein wenig erschwert, ist ihr leichtes Gewicht. Dieses ergibt sich einerseits aus dem Waffenmaterial und andererseits aus einer kompakten Bauweise, die die Waffe vergleichsweise führiger macht. Sicherheitspersonal muss oft noch weitere Gegenstände mit sich führen, deren Reihenfolge am Einsatzgürtel im besten Fall ganz bewusst gewählt ist. Die Anordnung der Waffen und Hilfsmittel soll für eine gleichmäßige Gewichtsverteilung sorgen, damit der Berufswaffenträger nicht irgendwann eine schiefe Hüfte bekommt.

Tendenziell haben Dienstwaffen auch einen strengen Abzug mit langem Leerweg und markantem Druckpunkt. Dies soll die Möglichkeit einräumen, bei Notwendigkeit des Waffengebrauchs eine Schussabgabe noch abbrechen zu können, sollte die Verteidigungssituation plötzlich kippen. Auch erschwert er eine unabsichtliche Schussabgabe, erlaubt aber eine sehr gute Kalkulation, wann der Schuss bricht.

Bedeutend ist auch die uneingeschränkte Bedienbarkeit der Waffe durch Kollegen und Kolleginnen. Die Glock GmbH produziert eine Vielzahl an Pistolenmodellen, die für die Schussabgabe exakt gleich zu bedienen sind. Dieselben Bedienelemente liegen an derselben Stelle. Dienstgeber erlauben oft kein Waffentuning an Dienstwaffen, damit Sie auch die Waffe eines Kollegen ohne Eingewöhnungszeit bedienen können. Und umgekehrt.

Waffenkauf: Dienstwaffen sind leichtgewichtig und pflegeleicht.

Sportwaffen

Sportwaffen stellen baulich so ziemlich das Gegenteil der Gebrauchswaffen dar. Sie üben sich optisch nicht in Dezenz und sind oft um ca. das Doppelte schwerer. In der Regel bestehen sie aus Vollstahl oder aus einer Materialkombination von Stahl und Polymer.

Das höhere Gewicht lässt die spezifische Rückstoßstärke im Gewicht der Waffe untergehen. Folglich kommt von dieser Rückstoßstärke weniger beim Schützen an als bei einer leichteren Polymerwaffe. Der Schütze empfindet das Schießen als angenehmer. Obendrein verleiht das Gewicht der Waffe ihr eine bessere Stabilität im Schuss. Durch diese gewonnene Stabilität bleibt die Waffe beim Schießen eher in ihrer Position und die Treffer werden genauer. Das gesamtheitlich angenehmere Schussverhalten macht Sie als Schütze, als Schützin zunehmend schneller und präziser. Das wiederum wirkt sich positiv auf Ihre Wertung in so manchem Wettkampf aus.

Da beim Sportschießen unterschiedliche Regelwerke gelten und nicht jede Waffe in jeder Schießdisziplin zugelassen ist, ist der Bedarf an individueller Adaptierung hoch. Auch ist im Sport die Bedienbarkeit Ihrer Waffe durch andere Personen weniger relevant. Daher verfügen Sportwaffen über mehr bewegliche Kleinteile, die Sie je nach gewählter Disziplin auch selbst austauschen können. Ein Plus für die Optimierung der Praktikabilität der Sportwaffe – ein Minus für den höheren Pflegeaufwand, der damit einhergeht. Durch Waffentuning können etwaige, jedoch nicht alle Schützenfehler zu kompensiert werden. Somit ist es gut möglich, dass Sie mit Ihrer getunten Waffe besser Schießen als ein anderer Schütze, da dieser auch andere Schützenfehler macht.

Der meist sehr weiche Abzug mit einem kaum spürbaren Druckpunkt macht die Schussabgabe mit einer Sportwaffe unkontrollierter. Aber er fördert die Präzision, da Sie den Hochschlag der Waffe und den definitiven Schusszeitpunkt weniger gut kalkulieren können.

Je nach dem, für welche Schießdisziplin eine Pistole gefertigt wurde, berücksichtigen die Waffenproduzenten die Sportordnung bereits im Herstellungsprozess. So müssen Waffen mitunter ein bestimmtes Gewicht aufweisen und dürfen bestimmte Gewichtsgrenzen nicht überschreiten. Manchmal sind die Maße vorgegeben, da die Pistole etwa in eine kleine Box passen muss. Auch die Beschichtung ist insbesondere beim dynamischen Schießen von Bedeutung. Durch das viele Holstertraining nutzt sich die Waffe oberflächlich schneller ab. CZ hat bei seinen Sportpistolen daher ein spezielles Beschichtungsverfahren eingeführt, das die Pistolen langlebiger und robuster gegenüber dieser mechanischen Belastung macht.

TIPP:
Erkundigen Sie sich beim Waffenkauf, ob es Ihren Favoriten auch in unterschiedlichen Kaliberausführungen gibt. Wenn ja, fragen Sie nach, ob Sie diese unterschiedlichen Kaliber probeschießen dürfen, um einen direkten Vergleich zu haben. Wie Sie gleich noch erfahren werden, hat die Kaliberwahl neben ihrer Auswirkung auf die Kosten des Schießsports auch Auswirkungen auf Ihr persönliches Empfinden beim Schießen.

Sportwaffen zeichnen sich durch ein höheren Eigengewicht und weiche Abzüge aus.

Jagdwaffen

Jagdwaffen müssen allgemein mit der Fähigkeit zur Präzision unter schwierigsten Witterungsbedingungen sowie mit einer entsprechenden Widerstandsfähigkeit gegen diese aufwarten. Jagdwaffen sind meist Langwaffen und üblicherweise der Kategorie C zugeordnet. Kurzwaffen kommen selten bei der Jagd zum Einsatz, aber wenn, dann muss in dieser Gefahrensituation die Handhabung sitzen.

Stehen Sie als Jäger oder Jägerin vor dem ersten Waffenkauf, ist das Budget entscheidend. Jagdwaffen kennen preislich nach oben hin keine Grenzen. Versteifen Sie sich bei Ihrer ersten Waffe nicht zu sehr – die erste Jungjägerbüchse ist keine Waffe für die Ewigkeit. Verlassen Sie sich beim ersten Waffenkauf für die Jagd gerne auf Jungjägerangebote der Waffen- und Munitionshändler. Wählen Sie hochwertige Waffen mit Bedacht, wenn Erfahrung und Praxis vorhanden sind.

Prinzipiell müssen Läufe und Schäfte nach stundenlangem Ausharren und Abkühlen im Winter ebenso ballistische Meisterleistungen vollbringen wie in der Sommerhitze. Mechanische Elemente sowie Schäfte aus Holz erhalten daher in der Fertigung bereits spezielle Beschichtungen.

Damit Wild waidgerecht erlegt werden kann, braucht es einen präzisen Schuss und eine entsprechende zielballistische Wirkung des Geschosses. Es eignet sich daher nicht jede Art von Munition für jede Art von Wild oder jede Jagdform. Daher kommt es früher oder später ohnehin zu einer zweiten oder dritten Jagdwaffe. Hier ist es durchaus anzuraten, für den Waffenkauf ein Geschäft aufzusuchen, das sich schwerpunktmäßig auf die Jagd spezialisiert. Beispielsweise Frankonia in Parndorf, wo die meisten Mitarbeiter selbst Jägerinnen und Jäger sind.

Von Bedeutung ist – nicht nur bei der Jagd, sondern auch im sportlichen Schießen mit Büchsen – das Zusammenspiel der Langwaffe mit seiner Zielhilfe. In der Regel ist das ein adjustierbares Zielfernrohr. Das Zielfernrohr muss unbedingt für das Kaliber Ihrer Waffe und dessen spezifische Rückstoßstärke geeignet sein. Verwenden Sie ein Zielfernrohr für Kleinkaliberwaffen und feuern zu starke Munition ab, ist das Glas nach wenigen Schüssen hinüber. Der Regel, dass ein geeignetes Zielfernrohr mindestens soviel kosten soll, wie die Waffe selbst, darf gerne Glauben geschenkt werden.

Hinsichtlich des Abzugsverhaltens haben Jagdgewehre Gemeinsamkeiten mit Sportwaffen: Die Abzüge sind sehr weich, der Druckpunkt kaum wahrnehmbar bis (je nach Waffe) gar nicht vorhanden und mitunter genügt bereits die leichteste Berührung, um den Schuss auszulösen. Eine eigene Variante derart feiner Abzüge ist der sog. Stecher. Äußerlich eindeutig erkennbar sind vor allem deutsche Stecher: Sie verfügen über zwei hintereinander liegende Abzüge. Das hintere Züngel dient dem Einstechen (Vorspannen), mit dem vorderen wird der tatsächliche Schuss ausgelöst.

Jagdgewehr

Sammlerwaffen

Mit einer guten (wirklich guten) Begründung und einem gewissen Argumentationstalent kann so ziemlich jede Art von Waffe ein Sammlerstück sein. Aber: Die Charakteristik einer Sammlung entsteht nun mal erst mit der Wahrung eines kulturellen oder historischen Wertes und der thematischen Zusammengehörigkeit bzw. der Verbindung einzelner Exponate. Dies wiederum bei zugleich umfangreichem (angestrebtem) Besitzstand, was wiederum einen durchaus umfangreichen Waffenkauf von mehreren Stücken gleichzeitig begründet.

Sammlerwaffen müssen weder beim Waffenkauf noch danach funktionstüchtig sein und je nach Alter der Waffe ist vielleicht auch kein gültiger Beschuss vorhanden. Aber sie behandeln ein bestimmtes Sammelgebiet, das Sie selbst wählen, möglichst vollständig. Zum Beispiel „Antike Feuerwaffen“„Die technische Entwicklung der Pistole in Europa – von 1324 bis 2026“ oder „Sondereditionen des 20. Jahrhunderts“.

Die oft empfindlich gewordenen Materialien von Sammlerwaffen stellen hohe Ansprüche. Es kann beispielsweise eine Verwahrung in klimakontrollierten Räumen erforderlich sein, da Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit oder auch zu viel UV-Strahlung durch Sonnenlicht dem Zustand antiker Waffen womöglich schaden. Aggressive Pflegeprodukte eignen sich auch nicht immer, um den Zustand solcher Waffen und ihre Authentizität zu wahren. Für eine adäquate Konservierung ist je nach Waffe ebenfalls Sorge zu tragen. Um die Sammlung möglichst zu vervollständigen, kommen Sie zudem nur selten um einen Waffenkauf aus dem Ausland herum. All das macht eine Waffensammlung nicht nur kostspielig, sondern auch zeitintensiv.


Das Gewicht der Waffe & sein Einfluss auf den Rückstoß

Nicht nur Sie als Schütze fungieren beim Schießen als Masseträger, auch Ihre Waffe hat ihr eigenes Gewicht. In der Schießpraxis ist das Waffengewicht mit ausschlaggebend dafür, wie stark oder schwach, wie angenehm oder unangenehm Sie den Rückstoß subjektiv wahrnehmen. Aber nicht, wie stark die Energie, die bei der Zündung produziert wurde (spezifische Rückstoßstärke), tatsächlich ist.

Eine Glock 17 Gen 5 (9×19 mm) wiegt mit vollem 17-Schuss-Magazin ca. 875 Gramm (0,875 kg). Bei einem Schuss mit einer leichten Pistole wirkt sich der Rückstoß einer 9×19 mm Patrone unangenehmer aus, als mit schwereren Waffen im selben Kaliber. Sie müssen die leichtere Waffe also fester halten und das fehlende Gewicht der Waffe durch Ihr Körpergewicht oder Ihre Muskelkraft kompensieren. Ihre Grifffestigkeit sowie die spezifische Rückstoßstärke Ihrer Waffe müssen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Greifen Sie die leichte Pistole nämlich zu locker, machen sich wiederholt Störungen an der Waffe bemerkbar, beispielsweise Ladehemmungen.

Eine schwerere Pistole kompensiert diese Schützenschwäche. Das, was einem schlanken Schützen an Masse und/oder Muskelkraft fehlt, bringt die schwerere Waffe selbst mit. Mit dieser müssen Sie sich (ausgehend vom selben Kaliber) nicht zwangsläufig mehr anstrengen, nur weil sie schwerer ist. Vielmehr ist es umgekehrt: Durch das höhere Eigengewicht der Waffe stört es nicht, wenn Sie sie „etwas“ lockerer halten. Die Funktionalität bleibt mit lockererem Griff viel eher gewahrt als bei einer leichten Waffe. Dennoch drohen bei „zu“ lockerem Griff bei schweren und leichten Pistolen dieselben Probleme: vermehrte Störungen. Wann ein Griff „zu“ locker ist, hängt wiederum vom individuellen Gewicht der Waffe sowie der spezifischen Rückstoßstärke ab.

TIPP:
Testen Sie beim Waffenkauf unterschiedliche Waffengewichte und probieren Sie aus, wie lange Sie mit Ihrer Waffe die Schützenhaltung einhalten können.

Im Vortrag Physik des Kurzwaffenschießens tauchen Sie detaillierter in die Zusammenhänge des Schützen als Masseträger mit dem Waffengewicht und den chemischen Prozessen bei der Zündung ein. Sehr viel über Physik lernen Sie aber auch im Zuge der Schießpraxis selbst. Für alles Wissen der Welt reicht ein Waffenkauf mit einer einzigen Schießeinheit leider nicht aus.

Wenn das Verhältnis nicht passt

Sowohl beim Gewicht der Waffe als auch bei der auszuübenden Griffestigkeit gibt es Grenzen. Sie sind keine Maschine, die bei jeder beliebigen Waffe automatisch die dazu passende Griffestigkeit zustande bringt. Insbesondere nicht langanhaltend und schon gar nicht, wenn Sie gerade erst mit dem Schießen beginnen. Ihre Kraft lässt irgendwann nach – bei körperlich gut trainierten Schützen eher später, bei Personen ohne Kraft oder Kraft-Ausdauer-Training früher.

Verlässt Sie Ihre Kraft schnell, kann das zwei wesentliche Ursachen haben: Ihre Muskulatur ist die Belastung noch nicht gewöhnt (in diesem Fall legt es sich nach einiger Zeit, wenn Sie sie regelmäßig dem Belastungsreiz aussetzen) oder Ihre Waffe ist Ihnen schlicht zu schwer. Kraftverlust macht Sie langsamer, ungenauer, die Waffe wird unkontrollierbar.

TIPP:
Bedenken Sie, dass Ihr Körpergewicht ein variabler Faktor ist. Es gibt Phasen, da nimmt ein Mensch den ein oder anderen Kilo zu oder auch ab. Diese Masseveränderung hat beim Schießen mit unterschiedlichen Waffen, insbes. mit Kurzwaffen erhebliche Auswirkungen auf Ausdauer und Präzision, da der Rückstoß sich nicht mehr so anfühlt, wie vor der Gewichtsveränderung. Entsprechend anders muss der Mangel kompensiert werden. Ihr Körpergewicht ist beim Waffenkauf nur eine Momentaufnahme, die sich verändern kann. Und folglich verändert sich auch Ihr Schießverhalten.


Ergonomie & Passform der Kurzwaffe

Worauf Sie ebenfalls achten sollten, ist das „Feeling“. Wenn Sie Ihre Kurzwaffe halten, sollte sie Ihnen sofort ein sicheres Haltegefühl geben. Ihre Schusshand muss sich vollständig um das Griffstück legen lassen, sodass sich die stabilisierende zweite Hand mit dem Handballen noch an das Griffstück der Waffe legen kann. Dabei dürfen sich die Fingernägel der Schusshand nicht in den Handballen der Zweithand bohren.

Das Griffstück samt Form, Material und Größe trägt zur Gesamtstabilität während des Schießens bei. Ragt Ihre Handfläche unten seitlich über das Griffstück hinaus, geht der Halt durch ungleichmäßige Druckverteilung verloren und Ihre Waffe schießt sich vergleichsweise unpräzise. Selbiges gilt, wenn das Griffstück zu breit ist. Der Vorteil: Griffstücke lassen sich im Allgemeinen sehr einfach austauschen und in der Breite bis zu einem gewissen Grad anpassen.

Taurus PT 1911
Smith & Wesson 686-4

Sicherheit als oberstes Gebot beim Waffenkauf

Haben Sie eine gute, sichere Haltung für Ihre Faustfeuerwaffe gefunden, gibt es noch ein weiteres Kriterium: das Muzzle Sweeping. Ihre Kurzwaffe ist aus dem Blickwinkel der Handhabungssicherheit im Idealfall so beschaffen, dass es schon beim trockenen Halten ohne scharfen Schuss nicht zu einem Muzzle Sweeping kommen kann. Heißt: Die Größe Ihrer Hände muss wiederum in einem sicheren Verhältnis zur Länge der Waffe und ihrem Griffstück stehen. Haben Sie große Hände, sollte die Wahl auf eine Waffe mit längerem Lauf fallen. So geraten Sie beim Umschließen mit beiden Händen nicht vor die Laufmündung. Von Waffen mit extrem kurzen Läufen sollten Sie absehen. Haben Sie kleinere Hände, sind zwar sicherheitstechnisch kürzere Waffen denkbar. Allerdings mit dem Nachteil, dass weniger Waffe wiederum weniger Gewicht bedeutet. Was wieder zu einem stärkeren Rückstoßempfinden führt.

Von unterschiedlichen Schießtrainern werden Sie unterschiedliche Auskünfte erhalten, wenn es darum geht, welche Griff- und Haltetechnik denn „die richtige“ ist. Aber eine Regel gilt für alle Methoden: Wenn Sie auch nur eine einzige Sicherheitsregel im Umgang mit der Schusswaffe verletzen müssen, um die Waffe gleichermaßen stabil wie komfortabel halten zu können, ist sie nicht die richtige. Die Einhaltung der Sicherheitsregeln ist essenziell für den sachgemäßen Umgang mit einer Schusswaffe. Auf jedem Schießstand.

TIPP:
Rutschfeste Oberflächentexturen oder ergonomische Griffrillen sorgen zusätzlich für einen besseren Grip und sind in unterschiedlichsten Ausführungen erhältlich. Teste beim Waffenkauf nach Möglichkeit auch einzelne Griffschalen aus Aluminium, Holz oder Gummi.


Wie Munition & Kaliber den Waffenkauf beeinflussen

Die Bedeutung der Munition und des Kalibers wird beim Waffenkauf massiv unterschätzt. Sie beeinflusst nämlich das Gewicht der Waffe, wenn das volle Magazin angesteckt ist (was wiederum das subjektive Rückstoßempfinden beeinflusst). Auch sind das individuelle Interieur sowie die chemischen Prozesse im Inneren der Patrone hauptverantwortlich für die spezifische Rückstoßstärke.

Steckt ein volles Magazin in Ihrer Pistole und Sie schießen es leer, wird die Pistole mit jeder abgefeuerten Patrone leichter. Dadurch verändert sich die subjektive Wahrnehmung des Rückstoßes, er wird spürbar stärker, Ihre Muskulatur kommt (beim schnellen Schießen) mit der Anpassung an die neue Krafteinwirkung nicht hinterher, Ihr Körper wird instabil und der Streukreis vergrößert sich. Das ist nur einer der Gründe, warum das Trefferbild sich mit zunehmender Schießdauer meist verschlechtert.

Der Zündvorgang beim Schießen mit Zentralfeuermunition

Die tatsächliche Energie selbst, die mit der Zündung der einzelnen Patronen freigesetzt wird, bleibt mehr oder weniger gleich. Nur Ihr subjektives Empfinden verändert sich, je schwerer oder leichter die Waffe ist. Gäbe es beim Gasdruck, den die Patrone erzeugt, zu große Abweichungen, würde sich bei jedem Schuss der Gasdruck – und folglich auch der Rückstoß – massiv verändern. Das kann fatale Folgen nach sich ziehen. Etwa, dass die Waffe zerberstet, wenn der Gasdruck wesentlich höher ist, als der, für den die Waffe konzipiert wurde. Oder dass ein Geschoss im Lauf stecken bleibt, wenn der Druck zu schwach ist.

Bei der Zündung schlägt ein Schlagbolzen auf den Patronenboden. Im Falle einer 9×19 mm Patrone oder anderer Zentralfeuermunition trifft er mittig auf ein kleines Zündhütchen, die Einschläge sind im obigen Bild deutlich zu erkennen. In diesem Zündhütchen befinden sich ein druckempfindlicher Zündsatz sowie ein Amboss, der als Widerlager fungiert. Durch das Auftreffen des Schlagbolzens auf dem Zündhütchen wird der Zündsatz gegen den Amboss gequetscht und entzündet sich. Die Flamme fährt durch einen kleinen Kanal in Richtung Hülsenkörper, in dem sich das Treibmittel befindet, und entzündet folglich dieses.

Chemische Prozesse

Die nun stattfindende Verbrennung des Treibmittels erzeugt den Gasdruck im Inneren der Hülse, der zunehmend steigt und irgendwann so groß ist, dass das Geschoss nach vorne aus der Hülse herausgepresst wird. Damit das Geschoss die Waffe verlassen kann und das vorgesehene ballistische Flugverhalten zeigt, brauchen kleine und leichte Projektile weniger Druck. Der Rückstoß ist relativ schwach. Große und schwere Geschosse hingegen benötigen mehr Schub von hinten. Also einen von Beginn an höheren Gasdruck, der wiederum einen stärkeren Rückstoß für Folge hat.

Mit diesem munitionskundlichen Wissen sollten Sie (spätestens nach den ersten Trainings mit unterschiedlichen Waffen) in etwa spüren können, welche Auswirkung welches Kaliber auf Sie hat. Berücksichtigen Sie das Zusammenspiel von Munitionsart, Waffengewicht und ihrem eigenen Körpergewicht schon beim Waffenkauf. Das macht die Schießpraxis langfristig leichter als eine Waffe mit unpassendem Kaliber.

Verfügbarkeit der Munition

Ein Aspekt, der beim Waffenkauf ebenfalls gerne untergeht, ist die Verfügbarkeit der Munition, die Sie für Ihre Waffe benötigen. Das Kaliber 9×19 mm ist im Bereich der Selbstlader weltweit am stärksten verbreitet. Es ist unter Normalbedingungen bei jedem Waffen- und Munitionshändler erhältlich und zählt im Vergleich immer noch zu den günstigeren Munitionssorten. Genau das macht dieses Kaliber bei Zivilisten und Behörden so beliebt, dass es situationsbedingt zu monatelangen Lieferverzögerungen kommen kann. Geopolitische Spannungen, Pandemien und ähnliche Ereignisse führen zu Ressourcenkonkurrenz in vielen Bereichen. Damit steigt die Nachfrage an Munition schlagartig. Anderes Beispiel: Gibt eine staatliche (militärische) Verteidigungsinstitution eine Großbestellung in Auftrag, wird vorübergehend ausschließlich für diese produziert. Und nicht an kleinere private Händler geliefert.

Die letzten Engpässe waren 2020 bis Anfang 2022 durch die COVID-Pandemie bedingt. Ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung begann sich zu bewaffnen und munitionierte seine Waffenschränke auf. Auch aus Angst vor Plünderungen während der Lockdowns. Durch die Lockdowns kam es mancherorts zu Verzögerungen in der Fertigung, denn was nicht produziert werden kann, weil der Betrieb stillsteht, kann auch nirgendwo hingeliefert werden. Kurz darauf artete der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zum Krieg aus, der sich bis heute auf Zentraleuropa auswirkt.

TIPP:
Wenn Ihre Munition möglichst immer verfügbar sein soll, wenn Sie Nachschub benötigen, ist es ratsam, schon beim Waffenkauf „exotischere“ Kaliber in Betracht zu ziehen. Zum Beispiel .40 S&W als nächstgrößere Option oder 9 mm Kurz als kürzere. Zu exotisch sollte es auch wieder nicht sein. Wird die Munition zu selten nachgefragt, führt sie kaum ein Händler im Sortiment.


Reinigung & Waffenpflege

Jagd- und Sportwaffen sind pflegeintensiver als die meisten Dienstwaffen. Sportwaffen weisen oft mehr bewegliche Kleinteile auf. Je mehr bewegliche Kleinteile vorhanden sind, desto mehr Zwischenräume gibt es, in denen sich der Schmauch beim Schießen ansammelt. Und desto mehr Teile werden mechanisch beansprucht. Ein zu hoher und grober Verschmutzungsgrad sowie eine unzureichende Schmierung können die Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen und sich auf die Präzision auswirken.

Wenn Sie nur wenig Zeit in Wartung und Pflege investieren wollen, sind einfach konzipierte Schusswaffen mit weniger Komponenten vorteilhafter. Für gute sportliche Performance, insbes. beim Präzisionsschießen auf 20 m und weiter, sind diese aber im Allgemeinen nicht bekannt. Daher müssen Sie mehr an Ihrer Schießtechnik arbeiten. Alternativ dürfen Sie die Reinigung Ihrer Waffe an einen Waffenhändler oder Büchsenmacher outsourcen. Sich nach den ersten Trainings selbst damit auseinanderzusetzen, schadet dennoch nicht; und nach der fünften Reinigung haben Sie den Dreh raus.

TIPP:
Hinsichtlich der Pflegeroutine von Schusswaffen gehen die Meinungen weit auseinander, vor allem was die Reinigungstools und Produkte betrifft. Unabhängig von diesen sind zwei Dinge aber essenziell:

  • Waffenöl und Waffenfett (alles, was zur Pflege mehr oder weniger lang in der Waffe verbleibt) müssen für die Verwendung in Schusswaffen geeignet sein und eine entsprechende Hitzebeständigkeit aufweisen. Nicht hitzebeständiges Öl in Ihrer Waffe kann bei einer Schussabgabe leicht entzündlich sein.
  • Insbes. Bestandteile oder Bereiche, wo Metall an Metall reibt, müssen gut geschmiert sein. Damit beugen Sie der Korrosion vor und verlängern die Lebensdauer Ihrer Waffe. Durch den Schutzfilm bleibt Feuchtigkeit fern. Ohne ausreichende Schmierung nutzt sich das Material zudem schneller ab, was früher oder später zu Funktionsstörungen führt.

Alles andere, insbesondere die Frage, welche Produkte Sie verwenden sollen, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Budgets. Es wäre sinnlos, Ihnen überteuerte Pflegeprodukte zu empfehlen, mit dem Wissen, dass Sie sich diese niemals anschaffen werden. Wenn Sie die Möglichkeit haben, probieren Sie sich bei Freunden und Schützenkameraden durch unterschiedliche Produkte und finden Sie für sich heraus, womit Sie am besten arbeiten, wenn Sie sich nicht schon direkt beim Waffenkauf grundlegend ausrüsten wollen.


FAQ zum Waffenkauf

Welche Aspekte sind beim Waffenkauf grundsätzlich zu berücksichtigen?

– Körpergewicht des Schützen
– Gewicht der Waffe
– Größe der Waffe
– Ergonomie (zB Griffform, -breite & -länge)
– Kaliber/Munitionstype (Rückstoßstärke, Verfügbarkeit)
– Einsatzzweck der Waffe (Jagd, Sport, Dienst, Sammlung …)
– Reinigungsaufwand

Welche Pistolenkaliber sind besonders einsteigerfreundlich?

Das Kaliber .22 lr ist besonders preisgünstig und es gibt sowohl Pistolen als auch Revolver und Langwaffen, mit denen dieses Kaliber verschossen werden kann. Durch die universelle Einsetzbarkeit und seinen schwachen Rückstoß ist diese Type eine überaus beliebte Freizeit- und Trainingsmunition. Haken: Fabrikate dieses Kalibers sind für viele Pistolen zu schwach und produzieren vergleichsweise häufig Störungen beim Auswerfen der leeren Patronenhülse und beim Zuführen der nächsten Patrone. Man sollte hier immer auf eher Fabrikate mit starker Ladung setzen (die aber gefühlt immer noch wenig Rückstoß verursachen).

Ebenfalls beliebt ist das Kaliber 9 x 19 mm aka DIE 9mm-Patrone. Wenngleich sie in den letzten Jahren massive Preisschwankungen erlebt hat, ist das Kaliber 9 x 19 mm immer noch das beliebteste; unter Sport- und Freizeitschützen ebenso wie bei Berufswaffenträgern. Für sich allein produzieren 9mm-Patronen einen unerwartet kräftigen Rückstoß, wenn man ihn nicht kennt. Dieser kann aber durch ein höheres Waffengewicht kompensiert werden. Vorteil: Wenn Sie mit 9mm-Patronen in einer leichten Waffe schießen lernen, beherrschen Sie später nahezu jede Waffe in jedem Kaliber.

Im Bereich der Revolver sei die Munitionstype .38 Special erwähnt. Sie ist gewissermaßen die 9mm-Patrone für Revolver und deutlich schwächer im Rückstoß, da die meisten Revolver auch ein höheres Gewicht als beispielsweise Dienstpistolen aufweisen.

Diese drei Kalibertypen erachte ich als am einsteigerfreundlichsten.

Ich habe nach dem Kauf festgestellt, dass ich doch nicht mit der Waffe zurechtkomme. Kann ich sie zurückgeben?

Meist ist es möglich, die Waffe zurückzugeben. Falls Sie allerdings bereits ein paar Schüsse damit gefeuert haben, werden Sie dafür nicht mehr denselben Preis erhalten, den Sie bezahlt haben, da der Händler die Waffe nicht mehr als Neuwaffe verkaufen kann.