Eine Pufferpatrone ist eine kalibergetreue Übungspatrone, die nicht zündet. Ihr primärer Einsatzzweck ist das Trockentraining: Bestimmte Fertigkeiten aus dem Schießtraining lassen sich üben, ohne extra einen Schießstand reservieren zu müssen. Dennoch können diese Trainingspatronen auch am Schießstand förderlich sein.

Die Pufferpatrone:
- Eigenschaften & Funktion der Pufferpatrone
- Ausführungen
- Einsatzbereiche & Anwendung-Tipps
Eigenschaften & Funktion einer Pufferpatrone
Eine Pufferpatrone hat dieselben Maße wie ihr scharfes Pendant im jeweiligen Kaliber und kann nur in Waffen benutzt werden, die auch für dieses Kaliber konzipiert sind. Sie ersetzt die scharfe Patrone und reduziert bei bestimmten Trockenübungen die mechanische Belastung der Waffe.
Von einem durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Gebrauch ausgehend sind die meisten Zentralfeuerpistolen mittlerweile weniger empfindlich auf das leere Abschlagen. Bei Randfeuerpistolen hingegen sollten Sie den Abzug nicht ohne Dummypatrone betätigen, da die Pistole auf Dauer Schaden nehmen kann.
Beispiel Zentralfeuerpistole

Bei Pistolen mit Zentralfeuerzündung trifft der Schlagbolzen zentral auf ein Zündhütchen auf und komprimiert den darin enthaltenen Zündsatz.
Dieser Schlagbolzen würde aber ins Leere fahren, wäre diese Patrone nicht im Patronenlager, denn durch seine zentrale Position befindet er sich direkt hinter dem Lauf (Loch). Die Lehrmeinungen darüber, ob das Leerabschlagen der Mechanik schadet oder nicht, gehen auseinander. Veraltetes Lehrmaterial bezieht sich gerne auf mechanische Restrisiken aus einer Zeit, als das Waffenmaterial noch nicht die heutige Qualität aufwies. Es rät vom Abdrücken ohne scharfer Munition oder Pufferpatrone ab und so wird es heute noch von vielen Schießtrainern wiedergegeben.
Der Schlagbolzen knallt ohne Widerstand gegen die Schlagbolzenführung oder den Haltestift. Das führte bei dem damals spröderen Stahl oft zu Haarrissen oder zum Abreißen der Bolzenspitze. Der heute verwendete Stahl hält dies zwar tausendfach aus, doch der stete Tropfen höhlt den Stein. Bei manchen Modellen wird beim Betätigen des Abzugs ohne Patrone die Schlagbolzenfeder gestaucht oder schlägt ungefedert aus. Das schwächt über die Jahre hinweg die Federcharakteristik und kann zu Zündversagern führen.
Beispiel Randfeuerpistole

Bei Kurzwaffen mit Randfeuerzündung schlägt der Schlagbolzen am Rand des Patronenbodens auf. Der Zündsatz ist ringförmig in den Rand eingearbeitet.
Hier würde der Schlagbolzen beim leeren Abdrücken zwar nicht ins Leere fahren, stattdessen aber auf dem harten Stahlrand des Patronenlagers aufschlagen. Der Bolzen selbst kann sich verformen oder brechen, das Patronenlager bekommt über kurz oder lang eine Kerbe. Die Verformung des Patronenlagers kann zu einer Innenwölbung führen. Mit Folgen, denn die Patronenhülse, die zuerst noch in das Patronenlager passt, weitet sich bei der Schussabgabe – sofern die Zündung denn erfolgreich vonstatten geht – auf. Dadurch hält die nach innen gerichtete Wölbung des Patronenlager-Stahls die leere Hülse fest und sie kann nicht ausgeworfen werden. Ein ordnungsgemäßes Nachladen ist nicht möglich.
Je nach Ausprägung der Verformung des Stahls kann es auch zu einer Veränderung des Gasdrucks sowie zu einer Abweichung in der Druckverteilung kommen, da die Kerbe eventuell die räumlichen Dimensionen des Lagers verändert. Diese Maße passen nicht mehr zu den Originalmaßen; ballistische Daten können nicht mehr eingehalten werden.
Genau hier kommt die Pufferpatrone zum Einsatz.
Die Pufferpatrone als praktischer Lückenfüller
Dummypatronen nehmen den Platz der scharfen Patrone ein und verhindern, dass der Schlagbolzen auf den Laufstahl oder ins Leere fährt. Trainingspatronen für zentral zündende Waffen weisen anstelle des vollständigen Zündhütchens meist eine silikon- oder gummiartige Eingießung auf, damit der Schlagbolzen auf seinen vorgesehenen Widerstand trifft. Der Primerersatz kann aber auch aus Messing oder Kupfer sein – wie das Zündhütchen selbst. Nur, dass eben kein Zündsatz enthalten ist.
Theoretisch ließen sich solche Übungspatronen auch mittels 3D-Drucker oder durch Delaborierung scharfer Munition selbst herstellen. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass das falsche Filament oder das Vernachlässigen der Randfeuer-Zentralfeuer-Thematik problematisch werden kann. Ist der Boden der Pufferpatrone beispielsweise zu fest, kann der Schlagbolzen auf Dauer erst recht Schaden nehmen oder im Boden der Patrone stecken bleiben. Nach ein paar Verwendungen entsteht ein solcher Hohlraum, der eigentlich durch die Pufferpatrone verhindert werden sollte. Das Material, das als Ersatz für den Primer fungiert, sollte diesem hinsichtlich seiner Konsistenz und Festigkeit möglichst ähneln. Beispielsweise durch einen gefederten Messingeinsatz. Und da beginnt sich der Aufwand für den freizeitlichen 3D-Drucker-Bediener unverhältnismäßig zu erhöhen.
Ausführungen
Generell rate ich zum Kauf gewerblich produzierter Dummyrounds, allein schon durch die Produkthaftung des Herstellers und die Unverwechselbarkeit mit echter Munition begründet. Erhältlich sind die Trainingspatronen meist in 2er-, 5er- oder 10er-Sets. Aluminium-Dummies sind meine Favoriten. Sie sind zwar teurer als reine Kunststoff-Varianten, dafür aber langlebiger. Jedenfalls, solange Sie sie nicht – wie ich – im Eifer des Gefechts mal dort, mal da verlieren (Berufsrisiko …). Ebenfalls empfehlenswert sind Polyurethan-Patronen mit Messingboden. Am langlebigsten, aber auch am kostenintensivsten sind Stahl- oder Messing-Dummies.

Um die Verwechslung mit scharfer Munition zu vermeiden, haben sich die Hersteller Unterschiedliches einfallen lassen. So sind Pufferpatronen durch ihre auffällige Farbe gekennzeichnet, mit Einkerbungen versehen oder haben gar Löcher. Bei Patronen mit Löchern wiederum ist zwischen Pufferpatrone (mit gefedertem Primerersatz) und Deko-Munition (zB ehemals scharfe Munition, die delaboriert wurde und üblicherweise nicht gefedert ist) zu unterscheiden. Auch gibt es eigene Patronen, die als Werkzeug fungieren und der Überprüfung des Verschlussabstandes oder der Weite des Patronenlagers dienen. Diese sind jedoch hochpräzise Messwerkzeuge aus gehärtetem Stahl und nicht für das Trockentraining gedacht.
Bei behördlichen Exerzierpatronen sind die Bohrungen mancherorts verpflichtend, um eine zweifelsfreie Unterscheidung zur scharfen Munition optisch wie haptisch zu ermöglichen. Einkerbungen in Form von Längsrillen finden sich häufig bei militärischen Exemplaren.

In Österreich gelten Pufferpatronen waffenrechtlich nicht als Munition, da sie kein verwendungsfertiges Schießmittel sind. Es fehlt jedenfalls die Treibladung und je nach Model auch das Zündhütchen.
Pufferpatronen aus Kunststoff sind die kostengünstigsten, tragen allerdings schnell unschöne Abnutzungsspuren davon. Bei Aluminium-Dummies sind zwar auch nach einer Zeit Kratzer zu sehen, sie beeinträchtigen die Form und Maßgebung der Patrone jedoch nicht so stark wie die Materialabtragung bei Plastikausführungen.
Einsatzbereiche & Anwendungs-Tipps
Ihren primären Einsatzzweck finden Pufferpatronen im Trockentraining, bei der Simulation von Fehlfunktionen und im einsatztaktischen Schießtraining, um bestimmte Drills zu üben, etwa die möglichst rasche Störungsbeseitigung. Aber sie sind auch zu Hause überaus nützlich.
Schießtraining für Anfänger
Zunächst lassen sich mit Dummies grobe Anfängerfehler wie das berühmte „Mucken“ rasch beseitigen. Außerdem ist es mir als Schießtrainer mit einer Pufferpatrone möglich, Ihnen vor Augen zu führen, wo der Fehler liegt. Da die Übungspatronen nicht zünden, nehmen Sie im Schießtraining plötzlich Bewegungen wahr, die Sie zwar auch im scharfen Schuss ausführen, aber aufgrund des Hochschlags und des Rückstoßes weder spüren noch sehen. Auch zum Testen der Abzüge unterschiedlicher Waffen, etwa vor dem ersten scharfen Schuss, verwende ich gerne Übungspatronen.
Simulation von Fehlfunktionen
Ein weiterer Bereich ist die Simulation von Fehlfunktionen. Leider lassen sich nicht alle Störungen, die sich ereignen können, simulieren. Doch die wenigen, mit denen das geht, baue ich gerne in ein eigenes Fehlfunktions-Training ein, um Sie sicher an das Störungsmanagement am Schießstand heranzuführen. Mir ist es wichtig, Ihnen in diesem Zusammenhang in aller Ruhe die Ursachen für Fehlfunktionen näherzubringen und Ihnen zu zeigen, wie Sie Störungen ganz ohne Bauchweh selbstständig beheben. Einsatztaktische Trainings hingegen legen den Fokus auf möglichst rasche Beseitigung der Störung, um schnellstmöglich wieder feuerbereit zu sein.
Sichere Aufbewahrung von Schusswaffen
Es gibt Waffen, beispielsweise Glockpistolen im Allgemeinen, die sich nur durch Betätigen des Abzugs entspannen lassen. Für einen Anwender wie mich, der wöchentlich mehrmals am Schießstand steht, wird das permanente Leerabschlagen irgendwann zu einem Risikofaktor (der stete Tropfen höhlt den Stein). Ich bewahre daher meine Glockpistole immer mit einer Pufferpatrone geladen im Waffenschrank auf, damit das Abzugssystem während der Verwahrungsdauer entspannt bleiben kann. Fahre ich das nächste Mal zum Schießstand, kommt die Pufferpatrone wieder heraus (den Grund erfahren Sie gleich).
Auch meine Kleinkaliberpistole hat im Waffenschrank stets einen Dummy im Patronenlager, da ich bei einer per Randfeuer zündenden Pistole im Sinne der Materialschonung nicht leer abschlagen möchte.
Vorsicht:
Wenn Sie sich diese Praxis aneignen möchten, geben Sie die Pufferpatrone erst unmittelbar vor dem Verstauen im Waffenschrank in die Waffe. Nicht schon auf dem Heimweg vom Schießstand. Kraft Gesetzes muss eine Schusswaffe auf dem Transportweg vollständig entladen sein, sofern Sie keine Berechtigung zum öffentlichen Führen vorweisen können. Es darf sich nichts im Patronenlager befinden, auch keine Pufferpatrone.






