Operation C: Die Restaurierung 120 Jahre alter Gewehre.

Die Gewehre aus Operation C

Fünf Schusswaffen sind es, die 2026 zur Restaurierung gelangen, mit dem Ziel, sie wieder schussfähig zu machen. Die Gewehre kommen von unterschiedlichen Herstellern und verfügen damit über unterschiedliche Schloss- und Ladesysteme sowie weitere bauliche Besonderheiten. Welchen Modellen sich Operation C widmet, darauf möchte ich heute eingehen.

Die Waffen:

  1. Carl Gustaf’s Stads M96
  2. BRNO Arms Mod 2
  3. Weihrauch HW 60
  4. Voere Kufstein
  5. Erma Mod. 76 E EG

Überblick über die Gewehre

Der Schwedenmauser: Carl Gustaf’s Stads M96

Die Geschichte der berühmten Schwedenmauser

Beim schwedischen Militär kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Interesse nach einem modernen Repetiergewehr auf. Dieses sollte vor allem für die zu jener Zeit global eingeführte rauchlose, aber leistungsstarke Patronenmunition geeignet sein. Bis zu jenem Zeitpunkt waren Jarmann M 1884 Gewehre Teil der militärischen Ausrüstung, aus denen noch mit Schwarzpulver abgefeuert wurde.

Norwegen und Schweden waren damals zu einer Union zusammengeschlossen und einigten sich 1893 mit dem Kaliber 6,5 × 55 mm auf ein gemeinsames Standardkaliber. Schweden gab eine Bestellung bei Mauser auf und zeichnete nach erfolgreicher Erprobung einen Lizenzvertrag mit dem deutschen Unternehmen.

Die ersten Waffen kamen aus Oberndorf und wurden dort von Mauser selbst produziert. Ab 1901 erfolgte die Herstellung ausschließlich in Schweden, überwiegend im Hause der Carl Gustaf’s Stads Gevärsfaktori, dem das schwedische Gewehr auch seine Bezeichnungen verdankt. Neben Carl Gustaf’s Stads ist auch die Bezeichnung Schwedenmauser für diese in Schweden gefertigten Mauser-Gewehre modellübergreifend gängig.

Im Jahr 1896 wurde der Schwedenmauser beim Militär offiziell eingeführt. Über mehr als 80 Jahre hinweg blieb die Waffe im militärischen Dienst, wenngleich in abgewandelten Formen. Die letzten offiziellen Schwedenmauser der Infanterie wurden 1978 außer Dienst gestellt, einige Scharfschützenmodelle der CGS Gevärsfaktori wurden noch bis in die 1990er-Jahre eingesetzt. Nach der Ausmusterung veräußerte Schweden seine Bestände.

Angesichts der hohen Präzisionsleistung und ihrer guten Verarbeitung waren Schwedenmauser als Reservewaffen begehrt. Eine historische und staatspolitische Besonderheit: Schweden war aufgrund seiner Neutralität während des Zweiten Weltkrieges nicht gezwungen, die Produktion seiner Waffen zu rationalisieren und behielt seine hohen Fertigungsstandards bei.

Um diese zu sichern, wurden die Gewehre Qualitätsprüfungen unterzogen. Zur Durchführung derselben wurden in der CGS Gewehrfabrik eigene, speziell geschulte Inspektionsbeamte bestellt. Diese hinterließen nach einer Qualitätsprüfung an einem Schwedenmauser ihre Initialien auf der Waffe.

Das M96-Modell der Schießtrainerin & sein Zustand

Auf dem Gewehr der Familie sind die Buchstaben YT links neben der Seriennummer zu finden. Sie gehörten einem Herrn Frans Yngve Tellander, der seinen Posten als Inspektionsbeamter von 1911 bis 1914 innehatte und 1930 aus dem Unternehmen ausschied. Aufgrund des Fertigungsjahres der Waffe ist anzunehmen, dass Hr. Tellander die Qualitätsprüfung 1913 oder 1914 durchgeführt hat.

Nach einer ersten äußerlichen Beurteilung bedarf es bei diesem M96 eher nur einer rein werkstofflichen Überarbeitung. Der Optik (und der Gesundheit) wegen. Das Holz ist mit Schimmelflecken übersät, der Lauf und weitere Metallteile stark rostnarbig. Obwohl das Gewehr mittlerweile einige Zeit zum Trocknen abgelegen hat, reagiert es in engen Räumen (z. B. neben anderen Waffen im Waffenschrank) empfindlich. Innerhalb von nur zwei bis drei Tagen bilden sich wieder neue Schimmelflecken. An einigen Stellen weist das Schaftholz Dellen, Kratzer und kleine Löcher auf.

Anhand der Stempel und Kennzeichnungen der Waffe konnte ich mittlerweile in Erfahrung bringen, dass dieses Gewehr zwar unter dem Eigentum der schwedischen Krone stand, baulich aber teilweise aus Stücken aus ziviler Fertigung besteht. Erkennbar ist dies an den schiefgestellten Kronenstempeln: Geradegestellte Kronen indizieren eine militärische Fertigung; schiefgestellte Kronen weisen auf ein Bestandteil aus ziviler Fertigung hin. Auch ein gültiger Beschuss ist vorhanden. Unklar ist bisweilen, wann und wie genau dieses Exemplar nach Österreich kam.

Der angedachte Verwendungszweck des M96

Vom Schwedenmauser existiert bereits ein wieder schussfähiges Referenzmodell, welches zum Dank für sein Engagement im Besitz von Roman, meinem tatkräftigsten Unterstützer, geblieben ist. Über kurz oder lang soll auch das zweite Modell, das die namentliche Verewigung meines Urgroßvaters Alfred Rössler trägt, wieder eingesetzt werden können. Und zwar so, wie auch mein Vater es eine Zeit lang verwendet hat: für Ordonnanzbewerbe auf 100 m Schussdistanz. Außerdem soll dieses historische Modell auch für Schießtrainings als Leihwaffe und als Anschauungsmodell für materialkundliche Theoriekurse zur Verfügung stehen.

Das BRNO Arms Mod. 2

Historisches zum BRNO Mod. 2

Heute eher unter dem Namen CZ bekannt, war die Česká zbrojovka a.s. schon lange vor ihren Berühmtheiten wie der CZ Shadow 2 oder der Tactical Sports mit der Waffenherstellung vertraut. Einst als reiner Rüstungsbetrieb erbaut, produzierte das Unternehmen 1939 bis 1945 zunächst für die Wehrmacht und die Waffen-SS. Die Pistolenproduktion, die anfangs im Mutterkonzern in Strakonice stattfand, wurde später nach Uherský Brod verlegt. Heute ist das Werk einer der europäischen Hauptakteure in der Produktion von zivil zugelassenen sowie militärischen Pistolen und Gewehren.

Das Modell 2 ist ein für den Sport und die Jagd auf Niederwild konzipiertes Kleinkalibergewehr, das für seine außerordentliche Präzision und reibungslose Handhabung internationalen Ruf erlangte. Von 1959 bis 2011 wurde dieser Waffentyp nahezu unverändert produziert und ist in den Kalibern .22 lr, .22 WMR und .17 HMR erhältlich.

In Australien und anderen Commonwealth-Staaten erarbeiteten sich die BRNO-Kleinkalibergewehre den Ruf als echte Gebrauchsgewehre: zuverlässig, präzise und für Generationen gebaut. Unter aktiven Schützen gilt die Mod. 2 Ausführung noch heute als hochgeschätzt, da die jahrzehntealten Exemplare gegenüber moderneren Modellen voll wettbewerbsfähig geblieben sind.

Politische und wirtschaftliche Veränderungen im späten 20. Jahrhundert führten in der Tschechoslowakei zur umfangreichen Umstrukturierung der staatlichen Rüstungsindustrie. Die Mutterfirma sah sich zum Ende des Kalten Krieges mit finanziellen Schwierigkeiten und sinkenden Militäraufträgen konfrontiert. Im selben Zeitrahmen baute Česká Zbrojovka Uherský Brod seine Präsenz am Zivilmarkt und im Export aus. Die Produktion vieler traditioneller BRNO-Sportwaffen wurde schrittweise von CZ in Uherský Brod (CZUB) übernommen, was zu einer Konsolidierung der Fertigung unter der Marke CZ führte, auch hinsichtlich der KK-Gewehrserie 452, die in direkter Linie vom Modell 2 abstammt.

Der Name BRNO verblasste bei neuen kommerziellen Schusswaffen. Sein technisches Erbe lebt jedoch in populären CZ-Kleinkalibermodellen weiter. Der unmittelbare Nachfolger des Mod 2 Gewehrs ist die CZ 452, gefolgt von der 455- und 457-Serie. Diese Gewehre behielten die von BRNO im Mod. 1 und Mod. 2 etablierten Kernprinzipien bei, werden aber mit zeitgemäßeren Fertigungstechniken hergestellt.

Die BRNO Mod. 2 im Familienbesitz

Die Rostbildung ist vor allem im Bereich der Laufmündung aggressiv und weit fortgeschritten, sodass eine gänzliche Rettung unter Gewährleistung dessen, dass die Waffe der Schussbelastung standhält, wohl nur durch einen Austausch des Laufes zu bewerkstelligen wäre.

Das Schaftholz hingegen ist im Vergleich zu den anderen Gewehren in einem überraschend guten Zustand: Äußerlich wirkt es stellenweise etwas zu trocken, was verwundert, denn alle Gewehre wurden über die Jahre im selben Schrank aufbewahrt. Die übrigen Langwaffen bildeten aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit Schimmelflecken aus. Das tat das BRNO Mod. 2 Gewehr zwar auch und es sind Spuren der Vergangenheit zu sehen, allerdings schimmelt sie nicht nach. An einzelnen Stellen des Schaftes ist die Beschichtung noch erhalten geblieben, Dellen und Kratzer sind nur vereinzelt zu erkennbar.

Die Gewehre aus Operation C weisen aufgrund ihres Alters zwar einen Beschussstempel, aber kein CIP-Kürzel auf.

Ebenfalls vorhanden ist ein gültiger Beschuss. Nur die CIP-Kennung fehlt, da die Waffe selbst bereits älter ist, als die Prüfkommission. Solange der Beschuss gültig und eindeutig identifizierbar ist, stellt ein fehlendes CIP-Kürzel aber kein rechtliches Problem dar. Der Beschuss ließe sich zwar jederzeit erneuern – allerdings nähme ein CIP-Stempel auf einer so alten Waffe ihr wohl die Authentizität – eine schwere Entscheidung.

Der angedachte Verwendungszweck des BRNO Mod. 2

Diese Gewehre von CZ waren schon zu ihrer Zeit für ihre außerordentliche Präzision international bekannt. Daher plane ich den Einsatz als Einschulungswaffe im Schießtraining. Langfristig, sofern sie nach der Restaurierung der DMS-Bewährungsprobe und einem etwaigen Neubeschuss standhält, soll sie außerdem Wettbewerbe in KK-Long Range Disziplinen meistern.

Weihrauch HW 60 J

Historisches zur Weihrauch HW 60 J

Die Geschichte der HW 60 J beginnt im Jahr 1899, als Hermann Weihrauch senior sein Unternehmen in Zella-St. Blasii, dem späteren Zella-Mehlis gründete. Weihrauch machte sich schnell einen Namen mit hochwertigen Jagdwaffen. Das Logo „HWZ“ (Hermann Weihrauch Zella-Mehlis), das man noch heute manchmal auf alten Stücken findet, wurde bereits 1921 eingetragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sah sich die Familie gezwungen, Thüringen zu verlassen. 1948 wagte sie in Mellrichstadt einen Neuanfang. Im Vordergrund stand das Überleben: In der Nachkriegszeit baute der Betrieb – wie viele andere auch – Fahrradteile für den Allgemeinbedarf. Schon bald konnten sie zu ihrer Leidenschaft zurückkehren: den Präzisionswaffen. In den 1950er Jahren wurde die Fertigung von Luftdruckwaffen aufgenommen, ehe wieder zivile Feuerwaffen für Jagd und Sport in das Produktionsspektrum aufgenommen wurden.

Die Gewehre der Modellreihe HW 60 wurden in den 1980er Jahren eingeführt. Sie war als zuverlässige, führige Repetierbüchsen für die Jagd auf Niederwild sowie den sportlichen Einsatz gedacht.

Die HW 60 J von DMS

Der Zustand der HW 60 J ähnelt zuvor präsentierten Tschechin: Roststellen an metallenen Waffenteilen lassen viel Arbeit erwarten. Die Weihrauch HW 60 J ist in diesem Fall mit zwei Abzugszüngeln ausgestattet. Sie erwecken den Anschein, dass es sich um einen deutschen Stecher handelt, jedoch verfügt das Abzugssystem über keinen eigenen Mechanismus zum Einstechen, wie es ein klassischer Stecher vorsähe.

Das Holz hat einige Jahre unter zu feuchter Luft gelitten, sodass es ebenfalls noch nachschimmelt, wenn es auf engem Raum neben anderen Waffen steht. Auch an Metallteilen ist es unumgänglich, sich jeder Komponente im Detail zu widmen. Schrauben sind eingerostet, haben sich festgefressen und machen einst bewegliche Kleinteile, wie die Ösen für einen Gewehrriemen, unbeweglich.

Das Zielfernrohr ist gut erhalten und bedarf lediglich eines Testschießens, um es bei Bedarf neu einzuschießen. Das Tasco 663 AK Japan mit seinem Duplex Crosshair Absehen ist für die sportliche Verwendung konzipiert, wird aber gerne auch für die Varmintjagd eingesetzt. Es vergrößert um das bis zu 32-Fache und erlaubt gängige Feineinstellungen zur Anpassung an die Schussdistanz und eine Links-Rechts-Adjustierung. Durch die vom Scope-System unabhängigen Schutzkappen stehen die Chancen gut, dass die Einstellungen sich über die Jahre nicht verändert haben; ein Testschießen ist aber unumgänglich.

Der angedachte Verwendungszweck der HW 60 J

Die Kombination aus einem sehr schlicht gestalteten Zielfernrohr mit einer leicht verständlichen Repetierbüchse im Kleinkaliberformat macht die HW 60 J zu einer idealen Einstiegswaffe. Das Zielfernrohr mit seinem Absehen überfordert in den ersten Langwaffentrainings nicht. Genau das begründet, weswegen dieses Setup später als Leihwaffe für Wettbewerbe eingesetzt werden soll.

Voere Kufstein Mod. 1007

Historisches zur zum Mod. 1007

Die Wurzeln der Voere Kufstein Mod. 1007 liegen in einer Zeit des Umbruchs. Gegründet im Jahr 1948 im Schwarzwälder Vöhrenbach, erarbeitete sich Voere schnell einen Ruf als Spezialist für hochpräzise Gewehre im Kleinkaliberformat. Das Mod. 1007 markiert einen strategischen Meilenstein: Es verkörpert den Übergang von der rein handwerklichen Fertigung der Gewehre hin zur spezialisierten Serienproduktion für den internationalen Markt.

Ein faszinierendes Detail der Waffengeschichte ist die geteilte Identität dieses Modells. Sammler blicken akribisch auf die Seriennummern. Liegt diese über 600.000, hält man ein Stück deutsche Industriegeschichte aus dem Werk in Vöhrenbach in den Händen. Niedrigere Nummern und spätere Modelle entstammen dem Werk in Kufstein (Tirol), das nach der Expansion zum Hauptsitz wurde.

Das Mod. 1007 von DMS

Anhand der Seriennummer und der übrigen Laufbeschriftung lässt sich eruieren, dass das mir vorliegende Biathlon-Modell bereits in Kufstein gefertigt wurde. Die Jahre der Aufbewahrung im Keller haben Spuren hinterlassen: An der Voere ist deutlich erkennbar, welche Auswirkungen suboptimale Luftbedingungen auf die Passgenauigkeit einer Waffe haben können: Der Buchenholzschaft hat merklich Spiel bekommen, ein Laufring ist schräggestellt. Abhängig davon, wo solche Unpässlichkeiten auftreten, können sie zu gefährlichen Störungen in der Funktion der Waffe führen.

Auch das Holz ist hier wieder verstärkt in Mitleidenschaft gezogen worden. Obwohl es trocken wirkt, neigt es zu Schimmelbildung und der Befall hinterlässt sichtbar Flecken. Die Mechanik des Verschlusses ist im Vergleich zu allen anderen Langwaffen extrem schwergängig, was mir indiziert, dass das anorganische Material sich ebenfalls verzogen hat. Elemente am Abzugszüngel sind unangenehm locker und Federn haben an Spannung verloren.

Der angedachte Verwendungszweck der HW 60

Was aus der Voere letztendlich wird oder nicht wird, vermag ich an dieser Stelle noch nicht abzuschätzen. Vor allem das verzogene Material benötigt eine umfangreiche Überarbeitung, um die präzise und passgenaue Fertigung wiederherstellen zu können. Ein Testschießen ist frühestens nach der erfolgreichen Bearbeitung angedacht, wenn die Komponenten mit hinnehmbaren Toleranzen wieder zusammengefügt wurden. Ob diese Waffe langfristig für Schießtrainings eingesetzt werden kann, ist fraglich; allenfalls aber taugt sie als Anschauungsobjekt für Theoriekurse.

ERMA Mod. EG 76 E

Historisches zur zur ERMA Mod. EG 76 E

Die ERMA EG 76 Gewehre entstanden in den 1970er Jahren in den Mauern der Erfurter Maschinenfabrik (ERMA) in Dachau. Western-Waffen erlebten in Deutschland zu jener Zeit einen gewaltigen Popularitätsschub, den sie primär Film und Fernsehen verdanken. ERMA nutzte diesen damals noch neueren Trend, um hochwertige Schreckschuss-Repetiergewehre auf den Markt zu bringen, die sich optisch und haptisch deutlich von der damals oft minderwertigen Konkurrenz abhoben.

Historisch bedeutsam ist die EG 76 durch ihre PTB-Zulassung 176. Diese Nummer markiert eine Ära, in der deutsche Waffenproduzenten begannen, den Markt für freie Waffen durch extrem originalgetreue Nachbauten in Schreckschussausführung zu dominieren. Die EG 76 im Kaliber 9mm Knall fungierte als Flaggschiff und sollte die Lücke zwischen Spielzeug und scharfer Waffe für Sammler schließen, die keine Erwerbsberechtigung für scharfe Unterhebelrepetierer besaßen oder beantragen wollten.

In der Firmengeschichte von ERMA nimmt die EG 76 eine Sonderstellung ein, da sie den Übergang von der klassischen Stahlverarbeitung hin zum hochpräzisen Gussverfahren markiert. Während die Firma ursprünglich für ihre Maschinenpistolen (wie die MP40) und später für Kleinkaliberwaffen berühmt war, sicherten die Gewehre der EG-Serie das Überleben des Standorts Dachau über Jahrzehnte. Sie gilt heute als Beleg für die Blütezeit der deutschen Schreckschuss-Produktion – vor der unkontrollierbar gewordenen Dynamik des deutschen Waffenrechts.

Das Ende der historischen Produktion der Gewehre kam 1997 mit der Insolvenz der ERMA-Werke. Da die Formen und Werkzeuge nach der Schließung in Dachau nicht für eine Neuauflage übernommen wurden, blieb die EG 76 ein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Industriegeschichte. Heute existieren nur noch die Bestände auf dem Gebrauchtmarkt. Das macht die ERMA EG 76 zu einem dokumentierten Zeitzeugnis der westdeutschen Freizeit-Waffenkultur.

Die hauseigene EG 76 E

Dass mir vorlegende Gewehr ist eine Druckluftausführung im Kaliber 4mm lang. Daher war die Waffe nach deutschem Recht mit einem PTB-Kennzeichen zu versehen und weist kein amtliches Beschusszeichen auf. Die Seriennummer 000016 lässt darauf schließen, dass es sich um die 16. Waffe ihres Formats handelt, die überhaupt produziert wurde.

Auch bei der ERMA fällt auf, dass die Passgenauigkeit unter der Zeit gelitten hat. Der Holzschaft ist locker, die Federspannung im Systemkasten jedoch sehr gut erhalten geblieben. Das Schaftholz ist äußerlich bis auf ein paar kleine Dellen und Kratzer in sehr gutem Zustand, die Beschichtung vollständig vorhanden, was darauf hindeutet, dass die Waffe – im Vergleich zu allen übrigen – nur selten zu Einsatz kam.

Stärker gelitten hat hingegen der Lauf: Insbesondere oberhalb des Schaftes belastet der Rost das Material und stellt höchste Ansprüche an die Überarbeitung. Im Kolben, der meiner Vermutung nach zwar aus einer Art Gummi gefertigt ist, sich jedoch so sehr verhärtet hat, dass er sich stählern anfühlt, sammeln sich ebenfalls Schimmelspuren, die das Holz hinten am Rand ein wenig – aber vernachlässigbar – befallen haben. Jedoch ist das Patronenlager innen mehr vom Schimmel betroffen als das Holz außen.

Zukunftsaussichten mit der EG 76 E

Ähnlich wie bei der Voere ist auch hier noch nicht absehbar, in wie weit die ERMA wieder schusstauglich gemacht werden kann. Da die ERMA mit ihrer Seriennummer und aufgrund dessen, dass sie nicht mehr produziert werden, ein echtes Sammlerstück ist, ist sie für mich ein Stück Nostalgie, das ich gerne zum ein oder anderen Schießstandbesuch ausführe. Ob das gelingt, zeigt die Zeit.


FAQ: Die Gewehre aus Operation C

Wie kann ich am schnellsten abschätzen, ob ich meine Gewehre wieder schussfähig bekomme?

Für die Erstbegutachtung konzentrieren Sie sich auf drei Ebenen:

1. die äußerlich-visuelle Begutachtung
2. die Funktion mechanischer und anderer beweglicher Teile
3. das Interieur.

Sicherheitshinweis:
Überprüfen Sie unbedingt vor der genauen Inspektion den Zustand Ihrer Waffe und stellen sie ihre Sicherheit her. Es darf sich keine scharfe Patrone im Patronenlager oder in einer Mehrladevorrichtung befinden.

Äußerlich achten Sie zunächst auf oberflächliche Offensichtlichkeiten wie Rost, Schimmel, Flecken, Kratzer, Dellen, Löcher, Bruchstellen, Risse, zu lockeres oder zu festgefressenes sowie verzogenes Material. Für die Schussfähigkeit nicht relevant, durchaus aber für die Bearbeitung ist das Vorhandensein einer Beschichtung bei Holzschäften.

Hinsichtlich der mechanischen Funktion und der beweglichen Teile überprüfen Sie, ob sich Bauteile wie Verschluss, Abzug und weitere ohne Gewalt und ohne Kraftaufwand bedienen lassen. Unverhältnismäßiges Kratzen, Ecken, ein Verkanten, Klemmen, aber auch zu viel Spiel usw. sollte nicht vorkommen. Die Funktion des Lademechanismus prüfen Sie mit Dummy-Patronen, indem Sie die Waffe laden und die Patronen der Reihe nach wieder hinausrepetieren. Im Allgemeinen hängen die zu überprüfenden Faktoren hier stark von der Bauweise der Waffe, folglich der Waffentype ab.

Das Innenleben der Waffe zeigt sich erst nach dem Zerlegen. Eine dicke Schicht Waffenfett oder Waffenöl ist ein gutes Indiz, dass das Interieur vielleicht unbeschadet geblieben ist. Überprüfen können Sie das, indem Sie die Einzelteile einer gründlichen Reinigung (Reinigung – nicht Pflege) unterziehen. Ist das Schmiermittel abgetragen, lässt sich dass Material auch an den innenliegenden Oberflächen überprüfen.

Je mehr Unpässlichkeiten gleichzeitig auftreten, desto höher ist das Risiko, dass Sie die Waffe vielleicht nicht mehr schussfähig bekommen. Je mehr Arbeitsschritte notwendig sind, desto höher ist auch die Gefahr, dass insbes. bei alten und empfindlichen Waffen etwas kaputtgeht.

Wie viel Aufwand ist es, Gewehre zu restaurieren?

Das hängt primär davon ab, wie viel Aufwand Sie sich damit machen möchten. Soll die Waffe ihre Authentizität und Originalität wahren, können Bearbeitungsschritte wie die Nachbearbeitung des Holzschaftes oder seine Beschichtung beispielsweise wegfallen. Wollen Sie, dass die Waffe in völlig neuem Glanz erstrahlt, ist der Aufwand entsprechend höher.

Versierte Waffenbesitzer benötigen für die Restaurierung einer Waffe im Schnitt 20 bis 40 Arbeitsstunden, wobei gewisse Trocknungs- und Einwirkzeiten bereits berücksichtigt sind. Als Neuling sollten sie mehr Zeit einplanen.

Gibt es rechtliche Rahmenparameter, auf die man beim Restaurieren der eigenen Langwaffen achten muss?

Zunächst: Nach österreichischer Rechtsprechung dürfen Sie Ihre eigenen Schusswaffen dürfen Sie für sich selbst, solange Sie sie rechtmäßig besitzen, auch bearbeiten und restaurieren, solange sie keine Veränderung an einem höchstbeanspruchten Waffenteil vornehmen. Übernehmen Sie diese Tätigkeit für eine andere Person, dürfen Sie dies allerdings nicht entgeltlich tun, da diese entgeltliche Leistung Gewerbetreibenden vorbehalten ist.

Bei den Tätigkeiten, die Sie selbst an Ihren Waffen vornehmen dürfen, gibt es jedoch Grenzen. So dürfen Sie etwa kein Material abtragen, um Rostnarben am Lauf vollständig zu entfernen, wenn sich dadurch die Wanddicke des rostigen Laufes verändern würde. In diesem Fall verliert die Waffe aufgrund der geänderten Laufmaße nämlich ihren Beschuss und muss dem Beschussamt zur neuerlichen Erprobung vorgelegt werden. Im schlimmsten Fall hält der dünnere Lauf dieser nicht mehr stand.